Murcia – moderne spanische Metropole mit Sinn für Geschichte

Im Tal des Rios Segura im Südosten Spaniens liegt Murcia, eine Stadt mit knapp 450.000 Einwohnern und einer schon mehrere Tausend Jahre währenden Geschichte. Staunen, entdecken und sich auf Anhieb einfach wohlfühlen kann man in diesem Ort, in dem es selten regnet, im Sommer heiß wird und die Winter eher einem angenehmen Frühling ähneln. Bummelt man durch die Straßen, scheint Geschichte allgegenwärtig, denn es gibt erstaunlich viele historische Gebäude zu sehen. Ein ganz besonderes Kleinod ist La Plaza del Cardenal Belluga, den Murcias ältestes Bauwerk dominiert: die Kathedrale Santa-Maria. 1394 begann ihr Bau, der 1465 zunächst im kastilianisch-gotischen Stil vollendet wurde. Im Laufe der Jahrhunderte kamen später immer neue Elemente hinzu, sodass der Sakralbau mit der faszinierenden Fassade auch Elemente im Stile von Renaissance, Barock, Neoklassizismus und Spanischem Barock aufweist. Die Kathedrale beherbergt heute ein Museum mit wertvollen Reliquien und Gemälden. Neben diesem prunkvollen Bauwerk stößt man in Murcia übrigens auf viele weitere, ebenfalls sehenswerte Kirchen, die zu einem großen Teil aus der Barockzeit stammen.

Bummelt man von der Kathedrale die von zauberhaften Jugendstilgebäuden – darunter die Villa Guillamon – gesäumte Calle San Patricio entlang, gelangt man zum La Plaza de la Glorieta de Espana am Flussufer des Segura. An diesem Platz stehen unter anderem der Bischofspalast Palacio Episcopal, das wohl schönste Barockgebäude der Stadt, und die Casa Consistorial – das Rathaus. Ein weiteres beeindruckendes Gebäude, das 1901 eröffnete Casino, findet man in der Traperia, einer anderen sehenswerten Straße der Altstadt. Schaut man hinein, so versetzt die Inneneinrichtung in Staunen, denn beim Anblick der original erhaltenen Inneneinrichtung fühlt man sich in die aktive Zeit dieses Kasinos zurückversetzt. Wer Murcia zu Fuß erkundet, entdeckt noch viele weitere architektonische Schätze in der Stadt. So das alte Römer-Kastell und die Christusstatue auf dem Berg Monteagudo, zauberhafte Brücken, Überreste mehrerer maurischer Burgen und nicht zuletzt Teile der historischen Stadtmauer. Doch Murcia schwelgt keineswegs nur in Erinnerungen. Denn bei allem Geschichtsbewusstsein ging die Stadt stets mit der Zeit – und entwickelte sich zu einer modernen Universitätsstadt, die mit um die 30.000 Studenten zu Spaniens größten zählt.

Entsprechend vielfältig präsentiert sich die Kulturlandschaft von Murcia, die von einer facettenreichen Musikszene bis hin zu anspruchsvollen Theateraufführungen reicht. Und kaum eine Woche vergeht, ohne dass ein Fest oder ein Festival gefeiert wird. Ebenfalls breit ist das Angebot an Einkaufsmöglichkeiten. Große und kleine Läden, Secondhandshops und Edelboutiquen, Lebensmittelmärkte und große Shoppingtempel – all das findet man überall in Murcia, vor allem aber im Stadtzentrum. Strände gibt es in Murcia nicht, denn die Stadt liegt etwas im Hinterland. Dennoch muss niemand auf das Badevergnügen verzichten, denn nur rund 30 Kilometer entfernt warten bei San Pedro del Pinatar und San Javier Strände am Mittelmeer. Zum Wandern lockt wenige Kilometer südwestlich von Murcia der Naturpark Calblanque Montes de las Cenizas y Pena del Aguila. Rund 700 Pflanzenarten gibt es in dem rund 2.500 Hektar großen Gebiet bei La Manga, dazu sieht man seltene Wasser- und Greifvögel. Man trifft in dieser Gegend auf bestens ausgeschilderte Wanderwege, die durch eine teilweise tropisch anmutende Vegetation, auf karge Berge sowie zu eindrucksvollen Dünen führen – und an einen Strand mit herrlich blauem Meer. Ebenfalls einen Abstecher wert ist der Cabo de Palos an der Südostküste, wo ein markanter Leuchtturm mit außergewöhnlichem Leuchtturmwärter-Haus steht. Ebenfalls lohnenswert auf dieser Tour: der Wanderweg rund um den Berg Cabezo de la Fuente.

Genua – spannende Zeitreise in eine glorreiche Vergangenheit

Für einige Jahrhunderte galt Genua mit seiner mächtigen Flotte als bedeutende Seemacht, unterhielt Handelswege bis Indien und China und besaß zudem als eine der Seerepubliken Italiens zahlreiche Kolonien und Stützpunkte. Bekannte historische Persönlichkeiten, darunter mehrere Päpste, der Seefahrer Christoph Kolumbus und der Geigenvirtuose Niccolò Paganini, kamen in Genua zur Welt. Nicht zu vergessen die einem Patriziat der Republik Genua entstammende Adelsdynastie Grimaldi, heute Herrscher im Fürstentum Monaco. Und bei der heute weltweit getragenen Jeans stand Genua sogar Namenspate: Die ersten dieser Hosen wurden aus blauem Genueser Baumwollstoff hergestellt, den die Neue Welt im 18. Jh. über Frankreich importierte. So wurde aus dem französischen Namen für Genua – Gênes – nach Gehör schließlich das englische Wort „Jeans“. Doch trotz all dieser ruhmreichen historischen Momente steht Genua in Sachen Reiseplanung heute recht abgeschlagen im Schatten italienischer Städte wie Rom, Venedig, Pisa oder Florenz. Dabei steckt die ligurische Metropole im Nordwesten Italiens voller Prachtstraßen, historischer Plätze und Paläste. Dazu zählt das Altstadtviertel zu den größten Europas und auch in Sachen Kultur bietet Genua so einiges.

Hin und wieder braucht man beim Stadtbummel etwas Puste, denn große Teile Genuas wurden in die steil ansteigenden Hänge des Ligurischen Apennins hineingebaut. Um das Auf und Ab zu erleichtern, entstanden ungezählte mit Ziegelsteinen gepflasterte Fußgängersteige und lange Treppen, in Genua „creuse“ genannt. Einer dieser schweißtreibenden Wege führt unweit der Piazza della Nunziata hinauf auf den Aussichtsberg im Vorort Righi. Wesentlich komfortabler gelangt man mit der Seilbahn Zecca-Righi nach oben, die mit mehreren Zwischenstopps vom Stadtzentrum aus 278 Höhenmeter überwindet. Dabei lässt sich die Aussicht schwebend in vollen Zügen genießen. Liegt einem die Stadt dann zu Füßen, entdeckt man schnell einige der besonderen Sehenswürdigkeiten Genuas. So fällt am alten Hafen Porto Antico das „Aquarium“ auf, das zu den europaweit größten Ausstellungen dieser Art gehört. Die Vielfalt der Meeresbewohner in den verschiedenen Becken und Anlagen reicht von Korallen, Seekatzen, Quallen und Piranhas über Wasserschildkröten, Pinguine und Robben bis hin zu Rochen, Delfinen und Haien. Darüber hinaus locken Kolibriwald und Madagaskars Urwald zum Entdecken weiterer Tierarten. Gleich neben dem „Aquarium“ befindet sich mit dem „Galata – Museo del Mare“ noch ein weiteres bedeutsames Museum, das sich mit spannenden Ausstellungsstücken dem Thema Seefahrt in allen Facetten widmet.

Nicht weit vom Porto Antico stößt man auf eines der ältesten Bauwerke Genuas – den 77 Meter hohen Leuchtturm Lanterna, der ab 1128 gebaut und längst Wahrzeichen der Stadt wurde. 172 Stufen führen zu einer tollen Aussicht von der Besucherterrasse. Die an das Hafengelände grenzende historische Altstadt von Genua findet man beim Blick vom Berg, sobald der kastenförmige Bühnenturm des Opernhauses „Teatro Carlo Felice“ an der Piazza de Ferrari ins Blickfeld rückt. Genuas zentralen Platz mit dem mächtigen Springbrunnen säumen außer der Oper diverse historische Paläste aus Zeiten der Seerepublik. Shoppingfans können sich entlang der vom Platz abzweigenden Via XX Settembre in Boutiquen, Kaufhäusern und anderen Läden ins Vergnügen stürzen. Wer mehr auf Sightseeing steht, gelangt in wenigen Minuten in die engen Gassen der Altstadt. Hier steht neben Christoph Kolumbus‘ Geburtshaus unter anderem die majestätische Cattedrale di San Lorenzo, die eine mächtige Orgel, wertvolle Malereien und Skulpturen beherbergt. Absolute Hingucker sind an Via Garibaldi, Via Balbi und Via Cairoli – als Le Strade Nuove ins UNESCO-Welterbe aufgenommen – die im Renaissance- und Barockstil errichteten Palazzi dei Rolli und Patrizierhäuser.

Braga – voller Geschichte und eine von Portugals schönsten Städten

Zu den schönsten Städten Portugals zählt Braga, Hauptstadt des gleichnamigen Distrikts im Nordwesten des Landes. Wer sich für Kultur und Geschichte interessiert, ist in dem Städtchen, das sich in eine sanfte Hügellandschaft schmiegt, genau richtig. Zahlreiche historische Bauten, darunter viele Kirchen, Kapellen und Klöster, zeugen von der wechselvollen Geschichte Bragas. Die Stadtgeschichte reicht bis zu den Römern zurück, die im Jahr 3 v. Chr. die Stadt Bracara Augusta gründeten. In den folgenden Jahrhunderten herrschten eine Zeit lang die Sueben, später die Mauren. Die Christen begannen im Jahr 1070 mit dem Bau eines Gotteshauses, das heute Portugals älteste Kathedrale ist: die Sé de Braga. In dem faszinierenden Bauwerk hat der Erzbischof von Braga, zugleich Primas von Portugal, seinen Sitz. Aus dem ursprünglich im romanischen Stil errichteten Gebäude entstand durch Umbauten und Erweiterungen über die Jahrhunderte ein Kirchenbau, der gotische, manuelinische und barocke Architektur vereint. In der Sé de Braga kann man viel Zeit verbringen, denn hier gibt es in den unterschiedlich gestalteten Kapellen sowie im angeschlossenen Museum viel zu sehen. Neben der kostbaren Ausstattung fallen besonders die beiden barocken Orgeln auf. In Braga lohnt aber nicht nur der Besuch der imposanten Kathedrale im Herzen der historischen Altstadt, sondern auch einige der anderen Kirchen haben es in sich.

Die Kapelle Nossa Senhora da Torre mit dem Wehrturm Torre de Santiago zum Beispiel, die Teil des „Museu Pio XII” ist. Oder die Kirchen Santa Cruz und Sao Marcos sowie die kleine Capela de Sao Frutuoso im Vorort Real, die an die Kirche Sao Francisco gebaut worden ist. Ein perfektes Fotomotiv liefert auch die Igreja de Santa Cruz, eine aufwändig verzierte Kirche aus dem 17. Jh. mit filigranen Holzarbeiten und Azulejos im Inneren. Auf jeden Fall zum Pflichtprogramm in Braga gehört zudem ein Abstecher zum Heiligtum Santuário do Bom Jesus do Monte, gelegen auf einem Berg wenige Kilometer nordöstlich der Stadt. Die neoklassizistische Klosterkirche Santuário do Bom Jesus do Monte wirkt eher schlicht. Hier ist es neben dem fantastischen Ausblick vor allem der Weg hinauf, der begeistert. Die zickzackartig verlaufende Barocktreppe säumen 14 reizvolle Kapellen, symbolträchtige Brunnen und Skulpturen. Diese aus rund 600 Stufen bestehende Via Sacra do Bom Jesus stellt unter anderem Stationen des Kreuzweges Jesu Christi nach, wie ihn Jerusalem seit dem Mittelalter erzählt. Wer nicht so gut zu Fuß ist, kommt mit Auto oder Zahnradbahn bequem nach oben – oder auch wieder zurück zur Haltestelle des Citybusses.

Doch es sind durchaus nicht allein die ungezählten Kirchen, die Braga zu einer reizvollen Stadt machen. Archäologen legten in Braga einige Überreste von Bracara Augusta frei, darunter die eines Theaters, eines Bades und eine mit Reliefs verzierte Felswand, vermutlich Teil eines römischen Quellheiligtums. Einige sehr interessante Fundstücke zeigt das archäologische Museum der Stadt. Bummelt man durch Bragas historisches Zentrum, so bekommt man viele liebevoll sanierte Häuser aus vergangenen Epochen zu Gesicht. Besonders hervorzuheben: der aus Granit erbaute Bischofspalast Antigo Paco Episcopal Bracarense mit dem sich anschließenden Park Jardim de Santa Bárbara. Auch Teile der ehemaligen Stadtbefestigung blieben erhalten, darunter der mittelalterliche Torre de Menagem und das im 18. Jh. errichtete Stadttor Arco da Porta Nova. Zu Bragas schönsten Profanbauten gehört das im Barockstil errichtete Rathaus Camara Municipal, in das man wegen der auf Azulejos verewigten Stadtansichten auch unbedingt hineingehen sollte. Das gilt ebenso für den Palácio dos Biscainhos aus dem 16. Jh. Dieser elegante Adelspalast beherbergt ein ethnografisches Museum, dessen Sammlung unter anderem Möbel und Alltagsgegenstände zeigt.

Saragossa – liebenswerte Metropole am Ebro

Barcelona, Madrid oder Sevilla fallen den meisten auf die Frage nach sehenswerten Städten in Spanien meist zuerst ein. Doch im Schatten dieser wirklich faszinierenden Metropolen gibt es Orte, die weniger überlaufen und doch sehr interessant sind. Saragossa am Rio Ebro, Hauptstadt der Autonomen Gemeinschaft Aragonien in Spaniens Nordosten, zum Beispiel. Umfangreich saniert wurde die Altstadt und viel Neues entstand bis zur Weltausstellung Expo 2008, für die Saragossa Gastgeber war. So wirken Infrastruktur und Stadtbild sehr modern. Auffallende Spuren hinterließ das Ereignis insbesondere rund ums damalige, in einer Flussschleife gelegene Ausstellungsgelände. Der einer Gladiole nachempfundene Brückenpavillon „Zaragoza Bridge“ mutet mit seiner avantgardistischen Konstruktion aus Glas und Beton überaus futuristisch an. Geblieben sind auch Grünanlagen, Sport- sowie Freizeiteinrichtungen. Einen herrlichen Rundumblick spendiert der 76 Meter hohe „Turm des Wassers“, der an einen gläsernen Tropfen erinnert, noch immer. Und auch die spektakuläre Reise durch die Unterwasserwelt von Amazonas, Ebro, Mekong, Nil, Darling und Murray River lässt sich in Europas größtem „Flussaquarium“ weiterhin erleben.

In unmittelbarer Nachbarschaft lockt der städtische „Park des Wassers“ zum Entspannen beim gemütlichen Spaziergang am Wasser entlang und fordert zugleich zu allerlei sportlichen Aktivitäten heraus. Wer es lieber ruhig angehen lässt, versucht sich auf dem 9-Loch-Golfplatz. Aufregender geht es dagegen bei Rafting, Hydrospeed oder Kajaken im Wildwasserkanal zu. Außerdem befinden sich auf diesem rund 120 Hektar großen Areal ein botanischer Garten, ein Badestrand und ein gut ausgestattetes Thermalbad. Auch wenn sich das weitläufige, immerhin gut 970 Quadratkilometer große Stadtgebiet wohl kaum komplett zu Fuß erkunden lässt, lohnt es sich, durch die eine oder andere Gegend von Saragossa zu bummeln. So gibt es auf dem ganzjährig schiffbaren Ebro und seinen Seitenkanäle immer etwas zu sehen. Besonders eindrucksvoll hier die eine oder andere der insgesamt 24 zur Expo neu entstandenen Brücken – allen voran die Millennium-Brücke – und der Kaiserkanal. Zahlreiche Stadtviertel ziehen sich an den Ufern hin, man stößt auf Parks, Spielplätze und bestens ausgebaute Fahrradwege. Dass die zum Teil sehr moderne Stadt Saragossa auf eine enorm lange Geschichte zurückblickt, wird jedem spätestens in der Altstadt bewusst. Hier finden sich Spuren von Kulturen der unterschiedlichsten Epochen und Ausrichtungen.

Die Plaza de la Basilica del Pilar im Norden der Altstadt säumt nicht nur Spaniens größte, ab 1681 errichtete Barockkirche, sondern rings um die Kathedrale gibt es weitere bedeutende Bauwerke wie die gotische „Catedral de la Seo“ aus dem 14. Jh. mit zahlreichen Elementen im Mudejar-Stil und das alte Börsengebäude „Lonja“. Gegenüber der Basilika kann man noch einen Turm der mittelalterlichen Stadtmauer bestaunen – den „Torreón de la Zuda“. Auch Überreste der römischen Stadtmauern, die aus dem 3. Jh. stammen, blieben erhalten. Außerdem stößt man beim Bummeln durch die Altstadtviertel auf einige interessante Paläste, beispielsweise den Taifas-Königspalast, der im 11. Jh. entstand. Nicht zu vergessen der gigantische Stadtpalast, die Aljaferia, dessen älteste Teile die Mauren um etwa 1065 erbauten. Neben dem facettenreichen Stadtbild hat Saragossa auch kulturell so einiges zu bieten. Zu Vorstellungen laden verschiedene Theater und Konzertsäle ein, Museen zeigen Kunstwerke – das „Camon Aznar“ unter anderem solche von Rembrandt, Van Dyck, Goya, Rubens und Renoir. Herrlich shoppen oder bei einem leckeren Kaffee ausruhen lässt es sich unter anderem in den Arkadengängen des Paseo Independencia oder in der Grand Via mit ihren originellen Geschäften.

Turin – barockes Schmuckstück mit dem gewissen Etwas

Schon gewusst, dass kein Geringerer als Kaiser Augustus schon 28 v. Chr. Turin als Festung gründete? Dass Turin von 1861 bis 1865 erste Hauptstadt des Vereinigten Königreichs Italiens war? Und dass schon die von Savoyen im Jahr 1563 Turin zur Hauptstadt ihres Herzogtums auserkoren und später von hier aus ihr 1718 begründetes Königreich Sardinien-Piemont regierten? Ein kurzer Ausflug in die Geschichte, der sicher nicht nur neugierig auf das Stadtbild macht, sondern zu recht auch das weitverbreitete Image Turins als öde Industriestadt infrage stellt. Und tatsächlich bewahrte sich die heutige Hauptstadt des Piemont einiges von dem glanzvollen Charisma, das sie schon als eine der seinerzeit bedeutendsten Barockmetropolen Europas umgab. Sogar Spuren der antiken römischen Stadt Augusta Taurinorum finden sich noch in Turin. So steht der Palazzo Madama nicht nur auf geschichtsträchtigem Areal, sondern das 45 v. Chr. errichtete Stadttor Porta Decumana integrierten die Baumeister kurzerhand mit in den repräsentativen Stadtpalast. Das hier angesiedelte Museo Civico d’ Arte Antica zeigt neben mittelalterlichen Kunstwerken Glas, Porzellan und Keramik.

Weitere Turiner Schmuckstücke aus Zeiten des Fürstenhauses sind der Palazzo Carignano mit dem Museo nazionale del Risorgimento und das Castello del Valentino, in dem heute Architekturstudenten ein- und ausgehen. Einer der bekanntesten Prunkbauten Turins dürfte der weiße Palazzo Reale sein. Dieser auch als Königliches Schloss bekannte Palast mit Prunktreppe und kunstvoller Ausgestaltung beherbergt unter anderem wertvolle Wandteppiche, aus Asien stammendes Porzellan sowie eine umfangreiche Waffensammlung aus verschiedenen Epochen. Dem Haus Savoyen verdankt Turin neben den vielen weiteren besonderen Bauwerken und Plätzen auch seinen wohl wertvollsten Besitz: das Turiner Grabtuch. Als „Heiliges Grabtuch“ hatte es die Familie ab 1453 in ihrem Besitz, bevor es 1983 mit der Maßgabe des Verbleibs in Turin an den Papst vererbt wurde. Das Tuch, in das Jesus von Nazareth bei seinem Begräbnis gehüllt worden sein soll, bewahrt der Dom – auch Cattedrale di San Giovanni Battista genannt – seit 1578 auf. Während das Original der „Sindone” meist unzugänglich für die Öffentlichkeit in einem versiegelten Spezialcontainer in einer Seitenkapelle lagert, ist im Dom eine Kopie zu sehen.

In unmittelbarer Nachbarschaft des riesigen Sakralbaus stehen noch Überreste der römischen Stadtmauer, darunter das Porta Palatina, und des Theaters aus Römerzeiten. Während man durch Turin bummelt, wird man selten nass. Das liegt nicht etwa daran, dass es in dieser Stadt weniger regnet, als anderswo. Vielmehr legten die Savoyer endlos lange Arkaden an, die sich mehrere Kilometer durch das Stadtzentrum ziehen. Was außerdem auffällt, sind die unzähligen Piazzas, auf die man am Ende fast jeder noch so kleinen Gasse stößt. Und viele dieser idyllischen Plätze verblüffen mit einem ganz individuellen Gesicht – mal plätschert ein Brunnen in der Mitte, mal dominiert eine kleine Kirche oder eine Statue das Areal. Das Wahrzeichen der norditalienischen Metropole trägt den Namen seines Architekten: die Mole Antonelliana. Alessandro Antonelli entwarf dieses eindrucksvolle Gebäude mit der gewagten Kuppelkonstruktion, dessen Bau von 1863 bis 1889 dauerte. Mit knapp 168 Metern Höhe überragt es den Kölner Dom um rund 11 Meter. Auch wer sich nicht für einen Cineasten hält und sich deshalb eher nicht für das in der Mole Antonelliana ansässige Filmmuseum interessiert, sollte Turins Wahrzeichen dennoch besuchen, um mit dem frei schwebenden Glasaufzug zur Aussichtsplattform hinaufzufahren. Denn nirgends sonst in Turin kann man einen so herrlichen Ausblick genießen, der bei guter Sicht sogar bis in die nahe gelegenen Alpen reicht.

Funchal – portugiesisches Flair inmitten des Atlantiks

Sie liegt mehr als 900 Kilometer südwestlich von Lissabon und eigentlich viel näher an Afrikas Küste. Und dennoch ist Funchal eine durch und durch portugiesische Stadt, schon ihre Gründung geht auf den portugiesischen Seefahrer Joao Goncalves Zarco zurück, der Madeira 1419 erreichte. Schon kurz nach der Landung auf der Blumeninsel im Atlantik bekommt man ein Stück portugiesische Identität zu Gesicht: die berühmten „Azulejos“, ein Erbe der Mauren. Ein riesiges Wandmotiv aus blau-weißen Kacheln zeigt im Airportgebäude Szenen aus dem Leben der Insulaner. Zu sehen sind beispielsweise Männer beim Verladen von Weinfässern und Stickerinnen bei der Arbeit. Hergestellt wurden die Fliesen in Portugal, denn auf Madeira gibt es gar keine Fabrik für „Azulejos”. Angekommen in Funchal, der Inselhauptstadt an der Südküste, trifft man dann immer wieder auf kunstvoll aus „Azulejos“ gestaltete Ornamente auf Fassaden oder in den unterschiedlichsten Gebäuden – meistens in Schwarz-Weiß. Funchal ist eine moderne, pulsierende Stadt mit rund 110.000 Bewohnern. Und dennoch strahlt sie eine gewisse Ruhe aus. Das liegt sicher an der typisch portugiesischen Mentalität der Menschen, daran, dass sie ihre Traditionen hochhalten und mit liebevoller Pflege alter Bausubstanz das koloniale Flair in Funchals Altstadt bewahren.

Und auch der Lebensstil an der sonnenverwöhnten Küste, in einer Stadt mit üppiger Vegetation in Parks und Gärten trägt sicher zu dieser Unbeschwertheit bei. Funchal beeindruckt zudem mit der Lage in einer geschützten Bucht vor imposantem Bergpanorama. Das älteste Viertel Funchals zieht sich rund um die spätgotische Kathedrale „Sé Catedral de Nossa Senhora da Assuncao“, deren Bau um 1500 begann. Zwar wirkt die zum Teil weiß bemalte Natursteinfassade eher schlicht, doch der mit Kacheln gestaltete Turm und vor allem das Innere der kleinen Kirche beeindrucken. Einen kurzen Spaziergang von der Kathedrale entfernt steht man auf dem Praca do Municipo, einem von Barockbauten umgebenen, auffallend gepflasterten Platz mit einem Brunnen. Hier findet man das 1758 erbaute, an einen Barockpalast erinnernde Rathaus, die Igreja do Colégio aus dem 17. Jh. und den Bischofspalast mit dem „Museum sakraler Kunst“. Beim weiteren Bummel durch die kopfsteingepflasterten Gassen kommt man an Häusern mit bunt bemalten Eingangstüren, vielen charmanten Cafés und einigen kleinen Läden vorbei. Etwas genauer anschauen sollte man sich dann den Palácio de Sao Lourenco, der zugleich Fortaleza de Sao Lourenco heißt – was auch eher zutrifft. Der Bau dieser Festungsanlage begann im 16. Jh.

Es folgten bis ins 19. Jh. ständige Umbauten und Erweiterungen, um Piratenangriffen immer besser standzuhalten. Heute zählt der imposante weiße Bau zu den am besten erhaltenen portugiesischen Festungsanlagen aus dieser Zeit. In die wechselvolle Geschichte von Sao Lourenco weiht eine interessante Ausstellung ein. Dass die Hafenstadt Funchal in der Kolonialzeit recht gefährlich lebte, belegt die Tatsache, dass es in diesem Städtchen noch weitere Festungen gibt. Eine ist das 1614 gebaute Fortaleza de Santiago, ein ockergelb getünchtes Bauwerk im Stadtteil Sao Pedro, das heute ein Museum für zeitgenössische Kunst beherbergt. Eine weitere Festung – Fortaleza de Sao Joao do Pico – entstand ab Mitte des 17. Jh. auf dem 111 Meter „hohen“ Pico dos Frias. Zum Pflichtprogramm in Funchal gehört auf jeden Fall noch ein Seilbahn-Abstecher in den Jardim Botanico, etwa drei Kilometer oberhalb des Stadtzentrums, mit exotischen Pflanzen aus aller Welt. Wer allerdings am Campo Almirante Reis in der Altstadt in die Seilbahn steigt, schwebt damit hinauf zum Monte. Hat man die herrliche Aussicht hier ausgiebig genossen, sollte man sich auf dem Rückweg eine Korbschlittenfahrt gönnen. Die endet allerdings im Funchaler Vorort Livramento – zurück in die Stadt kommt man mit einem Taxi oder einem etwa einstündigen Fußmarsch.

Sevilla – ehrwürdig schön und voller Temperament

Rassige Flamencotänzerinnen und stolze Toreros, pure Lebensfreude und Marienverehrung, weiße Fassaden in strahlendem Sonnenschein und Schatten spendende Orangenbäume. Für all das steht Andalusien – und die Hauptstadt Sevilla erst recht. Schon Wolfgang Amadeus Mozart, George Bizet und andere inspirierte die Stadt in Spaniens Süden zu kreativen Meisterwerken. Und wer Sevilla besucht, gerät inmitten der flachen, orientalisch anmutenden Häuser ebenso schnell ins Schwärmen. Auf den Spuren von Don Giovanni, Carmen oder dem Barbier von Sevilla wandelt man am besten zu Fuß. Im Labyrinth der engen Gassen der Altstadt, die am Ufer des Guadalquivir liegt, erhascht man dabei so manchen Blick auf Prachtbauten und schmucke Innenhöfe. Zwischendurch kann man auf der Plaza de San Francisco oder einem der zahlreichen anderen idyllisch angelegten Plätze verschnaufen. In Sevillas ältestem Viertel steht auch das Wahrzeichen der Stadt: die fünfschiffige Kathedrale „Maria de la Sede“. Zwischen 1401 bis 1519 auf den Überresten der Almohaden-Moschee im gotischen Stil errichtet, zählt sie heute zu den weltweit größten ihrer Art. Der jetzt 114 Meter hohe Turm des mächtigen Sakralbaus, die Giralda, wurde 1196 ursprünglich als Minarett der Moschee Mezquita Mayor erbaut und erhielt im 16. Jahrhundert einen Aufsatz mit El Giraldillo, einer Bronzestatue mit Wetterfahne, an der Spitze.

Zur Galerie, die sich in rund 70 Metern Höhe befindet und einen unschlagbaren Blick auf Sevilla freigibt, führt eine breite Rampe. Betritt man vom Plaza de la Virgen de los Reyes aus die Kathedrale, so bekommt man neben ihrer prachtvoller Ausstattung mit zahlreichen Kunstwerken, wertvollen Reliquien und Innenhöfen auch das Grabmal von Christoph Kolumbus zu Gesicht – einen von vier Herolden getragenen Sarkophag. Ebenfalls besuchen sollte man die Reales Alcázares de Sevilla, den riesigen Komplex mittelalterlicher königlicher Palastbauten. Seit die Anlage um 913 als maurisches Fort angelegt wurde, gestalteten zahlreiche Könige sie um oder bauten sie sogar intensiv aus. So prägen unterschiedlichste Baustile und Elemente den faszinierenden Komplex sowohl außen wie innen. Ein echtes Kleinod sind auch die Gärten mit Teichen, Wasserspielen und einem facettenreichen Baumbestand. Ein weiteres interessantes Gebäude steht mit dem „Archivo General de Indias“ in unmittelbarer Nachbarschaft. Untergebracht in der Casa Lonja de Mercaderes, Sevillas ehemaliger Börse, beherbergt dieses staatliche Zentralarchiv in sehenswerten Räumlichkeiten ungezählte Dokumente rund um das spanische Kolonialreich. Nordöstlich der Altstadt stößt man auf La Macarena, einen geschäftigen Stadtteil mit vielen traditionellen Geschäften, buntem Markttreiben entlang der Calle Feria, gemütlichen Tavernen und guten Tapasbars.

Dass auch dieses Areal zu den älteren gehört, belegen unter anderem Reste der alten Stadtmauer, die vom Torbogen Arco de la Macarena bis in die Puerta de Córdoba reichen. Einige Jahrhunderte überdauerten außerdem Bauwerke wie El Palacio de las Duenas, ein Mudejarenpalast aus dem 15. Jahrhundert, die Basilica de la Macarena, das Kloster San Clemente sowie die Kirchen Iglesia de San Pedro und Iglesia de San Luis. Flamenco und Stierkampf begegnet man Sevilla natürlich ebenfalls, und das nicht nur in den vielen Souvenirshops. Einen Katzensprung von der Kathedrale entfernt begann 1761 der Bau von Spaniens erster runder Stierkampfarena. 1881 endlich komplett fertiggestellt, gaben Toreros und Matadores in der Arena ihr Bestes. Inzwischen hetzen längst keine Stiere mehr über den Platz, dafür ist das in hispanischem und maurischem Stil errichtete Bauwerk jetzt als Museum ein echter Hingucker. Das Klappern der Kastagnetten hingegen ist heute noch allgegenwärtig – kein Abend, an dem nicht irgendwo in Sevilla eine feurige Flamencoshow stattfindet.

Bergamo – Erlebnisurlaub in traumhaft schöner Alpenidylle

Hollywood könnte sich vermutlich keine idyllischere Kulisse ausdenken, als sie Bergamo von Natur aus bietet: Im Rücken das malerische Alpenpanorama und zu Füßen die weite Ebene des Po – die Aussichten im italienischen Bergamo gleichen einem Postkartenmotiv. Nur 50 Kilometer weiter pulsiert die Metropole Mailand. Im idyllischen Bergamo leben etwa 113.000 Menschen. Die Citta Alta, die autofreie Oberstadt, liegt auf einem Hügel und überrascht rund um die Piazza Vecchia mit einem historischen Stadtkern, den eine fünf Kilometer lange Stadtmauer aus dem 16. Jahrhundert umgibt. In die terrassenförmige Anhöhe gebaut stehen in diesem denkmalgeschützten Bereich unter anderem der Contarini-Brunnen, das mittelalterliche Rathaus mit dem Stadtturm, die klassizistische Cattedrale di Sant’Alessandro Martire sowie die romanische Santa Maria Maggiore mit der Cappella Colleoni. Ein echter Hingucker ist auch der 1750 errichtete Bischofspalast. Um im faszinierenden Städtchen alles so richtig genießen zu können, schlendert man am besten zu Fuß durch die beschaulichen Straßen. So findet man auch den Orto botanico „Lorenzo Rota“, einen liebevoll angelegten botanischen Garten.

In die 85 Meter tiefer liegende Unterstadt Citta Borghi kommt man über die Viale Vittorio Emanuele. Etwas weniger schweißtreibend geht es mit dem Bus oder der historischen Standseilbahn, die 1887 zum ersten Mal an der Piazza delle Scarpe abfuhr. Im modernen Stadtviertel Citta Borghi reihen sich Straßencafés, Läden und Restaurants aneinander und laden zum Weiterbummeln ein. An Kunst Interessierte finden in der Unterstadt eine hochklassige Ausstellung: Die Accademia Carrara zeigt Werke bekannter Meister, darunter Rubens, Pisanello, Botticelli und Raffael. Zu den Schätzen Bergamos gehören noch weitere Museen mit ebenso wertvollen Sammlungen. Auch wenn die Unterstadt nicht ganz so alt ist wie die Oberstadt, es finden sich dennoch auch hier zahlreiche historische Gebäude im Barock- und Renaissancestil. So schön das Städtchen selbst auch ist, es lohnt sich, Bergamo hin und wieder für einen Ausflug zu verlassen. Denn nur so lässt sich auch die natürliche Schönheit der Umgebung von Bergamo in vollen Zügen genießen.

Nicht versäumen sollte man den herrlichen Ausblick vom San Vigilio, Bergamos Hausberg mit den Überresten des Castello di San Vigilio. Nimmt man unweit des Stadttors St. Alessandro die zweite Standseilbahn von Bergamo, strengt der Aufstieg nicht einmal an. Auch das Umland bietet so einiges. Wer von Bergamo aus beispielsweise die reizvolle Landstraße Statale per le Valli nimmt, kommt in die seenreichen Alpi Orobie – eine imposante Bergkette, deren höchste Erhebungen bis auf über 3.000 Meter aufragen. Eine andere Landstraße, die in Richtung Lago d‘ Iseo, führt zwischen Riva di Solto und Castro zu einer anderen Laune der Natur: Riesige Felsplatten ragen hier als Steilhänge über die Straße. Ein ausgedehntes Wandergebiet bezaubert im Val di Scalve. Der ausgeschilderte Curo-Wanderweg beginnt an der Berghütte Curo am Lago di Barbellino und endet 20 Kilometer weiter und 1.800 Meter höher am Passo di Vivione. Anfahrt über die Strada Statale in Richtung Valle Seriana. Wer Bergamo im Winter besucht, findet direkt „vor der Haustür“ hervorragende Wintersportbedingungen. Beispielsweise im Skigebiet Colere auf etwa 1.500 Metern Höhe. Die bestens präparierten Pisten bringen es auf eine Gesamtlänge von fast 30 Kilometern und reichen von sanftem Terrain bis hin zu Steilhängen, die selbst ambitionierte Skispezialisten herausfordern. Snowboarder kommen in zahlreichen Snowparks voll auf ihre Kosten. Übrigens: Auch Mailand oder Venedig erreicht man von Bergamo aus schnell, denn die Stadt liegt mit eigener Autobahnabfahrt direkt an der A-4.

Aljezur – portugiesische Kleinstadt mit dem gewissen Etwas

Lissabon, Porto, Braga … Drei Städte in Portugal, die als Urlaubsort recht beliebt sind. Und Aljezur? Eher kaum bekannt. Aber mit wunderschöner Altstadt, Museen, historischen Bauwerken sowie einer malerischen Umgebung mit Stränden und Nationalpark ebenfalls sehenswert – und das alles ohne die Hektik der nur wenige Kilometer entfernten Touristenzentren. Das kleine Städtchen findet man an der Westalgarve, etwa 40 Kilometer nördlich vom „Cabo de Sao Vicente”. Vor dem Panorama der Serra de Monchique schmiegen sich die weißen Häuser von Aljezur in die Hänge eine Hügellandschaft am Ribeira de Aljezur. Hoch über dem terrassenartig angelegten Ort thronen Türme und Mauern vom Castelo de Aljezur – einer mächtigen Burg, die zu Zeiten der Mauren im 10. Jahrhundert errichtet und später immer weiter ausgebaut wurde. An das Städtchen grenzt der Parque Natural do Sudoeste Alentejano e Costa Vicentina. Ein Eldorado für Wanderfreunde, Mountainbiker und Naturbegeisterte, das unter anderem mit felsigen Steilküsten, Stränden, Mooren, Salzwiesen und von Tälern durchzogenen Berglandschaften einer artenreichen Flora und Fauna geschützten Lebensraum bietet. So lassen sich entlang ausgeschilderter Routen beispielsweise rund 200 Vogelarten und – mit etwas Glück – Fischotter beobachten.

Vom Meer liegt Aljezur nur einen Katzensprung entfernt. Etwa zehn Kilometer sind es bis zur Costa Vicentina, der Küstenregion zwischen Odeceixe und Burgau. Hier finden sich die unterschiedlichsten Strände – mal weiß und weit, mal von Dünen gesäumt, mal versteckt in einer winzigen, idyllisch von Felsen umrahmten Bucht. In Odeceixe, Amoreira und Bordeira kann man sogar zwischen einem Bad im Meer oder im Fluss wählen. Selbst FKK-Anhänger sind willkommen, und zwar am Praia das Adegas. Wassersportler finden in einigen Küstenregionen die ideale Welle zum Surfen, unter anderem am Praia do Amado und bei Arrifana. Wer lieber paddelt, kann in Odeceixe ein Kanu mieten und zu einer Flusstour aufbrechen. Doch nicht allein die bezaubernde Umgebung der Felsalgarve fasziniert an Aljezur. Auch die Stadt selbst bietet so einiges. Der Fluss fließt mitten durch den Ort, an dessen einem Ufer sich die Altstadt, am anderen die neuere Siedlung ausbreitet. Den historischen Teil Aljezurs prägen für die Region typische weiß getünchte Häuser entlang kopfsteingepflasterter Gassen, von denen viele zur Igreja da Misericórdia führen. Diese Kirche der Jungfrau der Gnaden im Herzen der Altstadt besitzt noch ihr Renaissance-Portal, wurde aber Mitte des 18. Jahrhunderts neu aufgebaut.

Zur gleichen Zeit entstand der jüngere Teil der Stadt und mit ihm eine weitere Kirche: die Igreja Matriz de Nossa Senhora da Alva, auch Igreja Nova genannt. Sie beherbergt unter anderem eine prunkvolle Statue der Jungfrau der Morgenröte, die die Einheimischen als Schutzheilige von Aljezur verehren. Ebenfalls sehenswert sind der Hauptaltar sowie ein manuelinisches Taufbecken und mehrere Statuen. Obwohl das Städtchen klein ist, laden hier gleich mehrere Museen mit interessanten Ausstellungen ein. Das Museu Municipal zeigt im Edificio dos Pacos do Conselho, dem historischen Rathaus, Werke in der Region ansässiger Künstler und verschiedene Fundstücke aus archäologischen Grabungen in der Umgebung. Zu sehen sind außerdem Alltagsgegenstände, Werkzeuge, Utensilien aus Fischerei und Landwirtschaft sowie der Nachbau von Wohnräumen eines Hauses in Aljezur aus früherer Zeit. Ebenfalls sehenswert sind die sakralen Schätze und religiösen Kunstwerke im Museu de Arte Sacra Monsenhor Manuel Francisco Pardal gleich neben der Misericórdia-Kirche sowie die vielfältigen Exponate in der Casa Museu Pintor José Cercas, die aus dem Nachlass des einheimischen Malers José Cercas stammen.

Venedig – wo auf dem Wasser Busse fahren

Venedig … Wer gerät beim bloßen Gedanken an diese Stadt nicht ins Schwärmen? Und sie ist tatsächlich wunderschön, diese Lagunenstadt, errichtet auf Millionen von Baumstämmen. Schon eine Busfahrt gerät zum Abenteuer, denn was die Venezianer als „Bus“ bezeichnen ist – ganz klar – ein Schiff. Auf der Fahrt über den Kanal Richtung Altstadt ziehen schon so einige der Sehenswürdigkeiten vorbei. Man bekommt die ersten Gondolieri auf dem Canal Grande zu Gesicht, entdeckt wunderschön verzierte Häuser. Steigt man irgendwo aus dem Bus, empfangen einen fast überall die bunten Stände der Straßenhändler. Der Versuchung widersteht man aber besser, denn wer will schon stundenlang einen vollen Rucksack oder Einkaufstüten durch Venedig schleppen? Abgesehen davon macht das Shoppen in den Lädchen entlang der kleinen verwinkelten Gassen Venedigs viel mehr Laune. Zu besichtigen gibt es in der Lagunenstadt unheimlich viel. Ungezählte Paläste, Kirchen, Galerien und Museen zeigen, wie reich die Stadt seit Jahrhunderten ist. Im Dogen Palast zum Beispiel weiß man schon nach kurzer Zeit gar nicht mehr, wohin man zuerst schauen soll – kaum ein Eckchen des Palastes, das nicht aufwendig verziert oder mit Kostbarkeiten ausstaffiert ist.

Wer möglichst viel von Venedig sehen und auch das eine oder andere Café besuchen möchte, muss ganz sicher etwas länger bleiben – oder wiederkommen. Die Stadt begeistert nicht nur wegen ihres ungewöhnlichen Baugrunds und der Wasserstraßen. Vor allem die facettenreiche Architektur aus vielen Jahrhunderten macht die Lagunenstadt – die zu Recht „Die Erlauchteste“ heißt – zu etwas ganz Besonderen. Herrscher, Baumeister und Künstler aus unterschiedlichen Epochen hinterließen hier ihre unverwechselbaren Handschriften. Männer mit klangvollen Namen wie Carpaccio, Tizian, Veronese, Tintoretto und Canaletto wirkten hier. Sakralbauten aus Zeiten von Romanik bis Barock durchziehen die Stadt ebenso wie prachtvolle Paläste. Die eine oder andere Kirche sollte man sich anschauen, vielleicht den Markusdom und San Giacomo di Rialto, Venedigs ältestes Gotteshaus. Und selbst wenn man vielleicht eine Weile vor dem Dogenpalast anstehen muss: Dieses Highlight Venedigs darf man auf keinen Fall verpassen! Gleich daneben, auf dem Markusplatz, wimmelt es immer von Menschen – wenn nicht gerade Hochwasser ist. Die faszinierende Bebauung dieses Platzes erschließt sich natürlich nicht, wenn man ihn einfach flott überquert. Man sollte eine Weile in der Mitte stehenbleiben und sich in aller Ruhe umblicken …

Anschließend findet man sich in den kleinen Gassen wieder, wo sich schmucke Läden und Restaurants aneinanderreihen. Wer in all dem hektischen Treiben mal etwas Ruhe braucht, findet die in einem der wunderschönen Gärten der Stadt. Oder man gönnt sich eine Tour mit einer Gondel, einsteigen kann man an vielen Stellen der Stadt. Vom Wasser aus sieht man dann auch viele der Brücken der Stadt, über die Rialto-Brücke allerdings sollte man später auf jeden Fall auch noch zu Fuß bummeln. Überall Wasser, wohin man in Venedig auch schaut. Doch Bademöglichkeiten? In die Kanäle zu springen ist nicht nur verboten, sondern außerdem viel zu gefährlich. Sauberes Wasser sieht zudem sicher anders aus. Doch ein richtig schöner Sandstrand lockt auf den Lido, die vor der Lagune liegende Insel. Der eignet sich mit seinem flachen Zugang ins Wasser auch für Kinder. Allerdings kostet das Badevergnügen an diesem Strand eine Kleinigkeit. Besser, man fährt an einen der herrlichen Strände, die sich in Venedigs Umgebung befinden. Viele lassen sich bequem mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder per Rad erreichen. Beispielsweise der Strand von Cavallino-Treporti, der von San Niccolo oder auch die Strandabschnitte von Malamocco und Alberoni. Einen grünen Strand gibt es auch noch – auf San Erasmo.